Wenn der Spielplatz zum Kampfplatz wird

Gestern verwöhnte der Sommer uns in Hamburg mit 28 Grad und Sonnenschein pur. Klar, dass Kringel und mich wenig im Haus hielt – nach einer Shoppingtour am Vormittag verbrachten wir den Nachmittag auf dem Spielplatz. Auf einer der Bänke saß ein vielleicht 14 Jahre altes Mädchen und starrte aufs Smartphone. Daher bekam sie auch nicht mit, wie ihr 5 Jahre alter Bruder auf der Rutsche auf seine gleichaltrige Kindergartenfreundin einschlagen und sie – und später auch mich – treten wollte. Aber der Reihe nach.

Nachdem wir schon eine Weile gespielt hatten, füllte sich der Spielplatz mit Kindern aus der nahegelegenen Kita, denn da war nun Abholzeit. Kringel wollte noch einmal zur Rutsche, also erklommen wir gemeinsam den Berg und warteten, denn ein Junge und ein Mädchen saßen noch oben auf der Rutsche. Erst, als wir auch oben waren, sah ich, dass das Mädchen weinte und der Junge sie die Rutsche herunterstoßen wollte. Sie klammerte sich fest und weinte leise. Ich sah kurz zu und merkte schnell, dass der möglicherweise vorhergegangene Spaß für das Mädchen längst vorbei war.

„Habt ihr Streit?“, fragte ich und bekam keine Antwort bis auf ein kurzes, verheultes Nicken des Mädchens.

„Lass sie mal, sie möchte nicht rutschen, glaube ich.“, sagte ich zu dem Jungen, voraufhin er sie losließ und runterrutschte. Sofort sprintete er wieder nach oben, packte mit der linken Hand die langen blonden Haare des Mädchens und riss daran.„Ich sag meiner Schwester, dass sie dich nie wieder aus der Kita abholen soll! Und meine Mama auch nicht!“ Das traf das Mädchen sehr, sie weinte mehr als zuvor.

Mit der rechten Hand holte er aus um dem Mädchen ins Gesicht zu schlagen. Ich packte gerade noch rechtzeitig seine Arme und rief „Schluss!“. Daraufhin trat er nach dem Mädchen und nach mir, erwischte uns aber nicht.

Ich rief lautstark „Hörst du wohl mal auf zu treten!?!?“

Die Ansage zeigte Wirkung. Er lief zu seiner Schwester, die blickte kurz vom Smartphone auf und auch sofort wieder nieder. Gibt ja auch Cooleres in dem Alter, als den kleinen Bruder und dessen Kindergartenfreundin von der Kita abzuholen und mit ihnen auf den Spielplatz zu gehen.

Das Mädchen rutschte gemeinsam mit Kringel und mir lachend die Rutsche runter und ging dann ebenfalls zur Schwester des Jungen. Später fiel mir auf, dass das Mädchen und ich kein Wort miteinander gewechselt hatten – Blicke, Tränen und ein Lachen sagen oft so viel mehr.

Ich mische mich wirklich nicht schnell in Kinderstreitigkeiten ein, aber bei so einer Situation schaltet mein Gehirn sofort in den Kita-Erzieherinnen-Modus. Die Kinder haben es wahrscheinlich längst vergessen und sind Hand in Hand nach Hause gegangen. Mich hat die Geschichte aber noch den ganzen Abend beschäftigt.

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