Servicewüste Babyfachmarkt

Ihr glaubt, im Baumarkt lange auf Personal zu warten? Dann kann ich euch einen Babyfachmarkt „empfehlen“, dagegen ist jeder Baumarkt ein Serviceparadies.

Das erste Mal betraten mein Mann und ich diesen Babyfachmarkt während der Schwangerschaft. Es war Anfang des Jahres 2015 und wir wollten den Britax Go Kinderwagen kaufen. Im Internet wurde uns dieser Babyfachmarkt als Händler angezeigt und da er fußläufig zu erreichen war, erschien uns das für den Kinderwagenkauf optimal. Im Onlineshop fand ich nur den Britax Go Next, aber das muss ja nichts heißen. Oder doch? Wir gingen los und entdeckten ein paar Kinderwagen aber kein Personal. Ich sah mir die Kinderwagen an, mein Mann suchte nach Personal. Nach 10 Minuten kam er genervt zurück, murmelte etwas von „Scheißladen“ und „Es kommt gleich jemand.“ Insgesamt warteten wir 30 Minuten, obwohl nicht viele Kunden im Laden waren. Endlich kam jemand. „Wir möchten den Britax Go Kinderwagen kaufen.“, sagte ich. „Haben wir nicht.“, war die knappe Antwort. „Aber hier stehen doch der Britax Go Next und andere Britax Sachen, dann können Sie den doch bestellen, oder?“., fragte ich. „Ich guck mal.“, sagte sie und ging an den Computer. Ich dachte ja, sie schaut nun irgendwie intern was nach, aber was macht sie? Ruft den Onlineshop des Babyfachmarktes auf, gibt „Britax Go“ ein und sagt „Da ist nur der Britax Go Next.“ „Ja, das hab ich zuhause auch schon gesehen, aber als Britax Partner können Sie den doch bestellen, oder?“., fragte ich leicht genervt. „Nee.“, war die knappe Antwort und dann verschwand sie auch schon wieder. Na toll, wir waren nun also echt losgegangen, um 30 Minuten auf Personal zu warten, das dann nur in den Onlineshop guckt? Puh, tief durchatmen, nicht explodieren, Laden verlassen und sich schwören, niemals wiederzukommen.

Etwa ein Jahr später kam ich doch zurück. Es war Februar 2016, kurz nach der Babywelt-Messe und ich wollte das Newborn-Set für den Tripp Trapp kaufen. Dank Onlineshoprecherche wusste ich, dass das Newborn-Set hier im Angebot war und um die Versandkosten zu sparen, machte ich mich auf den Weg. Zuvor rief ich an um zu erfragen, ob er Onlinepreis auch im Laden gelte. Ja, kein Problem. Ob denn noch ein Newborn-Set in der gewünschten Frage vorrätig sein, wollte ich wissen. „Muss ich gucken…das dauert aber seeeeehr lange.“, war die Antwort. Jaja, alles klar, ich komm mal rum. Ich griff das letzte Newborn-Set, stellte mich an der Kasse an und sollte den normalen Preis zahlen. „Nein, das ist reduziert, ich hab extra angerufen um zu fragen, ob er Preis auch im Laden gilt.„, sagte ich. „Oh.“, sagte sie Verkäuferin, ging an den Computer, rief den Onlineshop auf und ich zahlte den günstigeren Preis.

Ein halbes Jahr später, zu Kringels Geburtstag, war das Rody Hüpfpferd im Angebot. Gleiches Spiel, an der Kasse sollte ich den vollen Preis zahlen und erst nach Verweis auf den Onlinepreis bekam ich das Hüpfpferd günstiger. Alle anderen Kunden, die es kauften, zahlten sicherlich den vollen Preis.

Dienstagabend waren wir wieder da. Wir sind auf der Suche nach einem Autokindersitz und wissen auch schon genau, welche zwei Modelle in Frage kommen. Es ist nur noch die Frage, in welchen Kringel besser reinpasst. In einer Filiale einer anderen großen Babyfachmarktkette sind wir so schlecht beraten worden, dass wir es nochmal woanders probieren wollten. Wir waren eh in der Nähe und zack standen wir wieder in besagtem Babyfachmarkt des Grauens. Ja, es war abends, aber es war nicht viel los. Ich entdeckte beide Sitze und schnallte schonmal einen auf den Vorführautositz, während Kringel und mein Mann nach Personal suchten. Nach zehn Minuten kamen sie zurück und ich hörte wieder was vonwegen „Scheißladen“ und „Es kommt gleich die Autositzexpertin.“ Okay, alles klar. Ich sah auf die Uhr: 17.05. Ich blieb bei den Autositzen, mein Mann und Kringel erkundeten den Laden. Personal huschte vorbei, schnell wie der Wind. Niemand steuerte auf die Autositze zu. 17.20 Uhr: Jemand vom Personal ging grob in meine Richtung und wird von einem Paar, das neu den Laden betritt, wegen Kinderwagen angesprochen. Sie erhalten eine ausführliche Kinderwagenberatung, die noch andauert, als wir später den Laden verlassen. 17.35 Uhr: Ein Mann mit Kind auf dem Arm kommt, begleitet von einer Verkäuferin, zu den Autositzen. „Einen Moment, meine Kollegin kommt gleich.“, sagte sie und verschwindet. „Gleich ist gut.“, sage ich ziemlich laut. „Wir warten seit 35 Minuten auf die Autositzexpertin.“ Die Verkäuferin dreht sich um. „Oh, ach, äh…echt? Also, meine Kollegin da (sie zeigt auf die, die sich von dem Paar zur Kinderwagenberatung hat einnehmen lassen) wollte zu Ihnen.“ „Ja, da kam dieses Paar neu in den Laden und hat sie was wegen der Kinderwagen gefragt und seitdem reden die. Wenn sie auf dem Weg zu mir war, hätte sie dem Paar halt sagen müssen, sie habe keine Zeit.“, sagte ich laut und wütend. „Äh…ja…also, dann mach ich das jetzt….“, stammelte die Verkäuferin. „Nee, uns wurde gesagt, die Autositzexpertin kommt gleich und ich warte hier nicht eine halbe Stunde, damit dann irgendjemand zufällig vorbeikommt und hier mal fix die Beratung macht. Zum Glück gibt es auch noch andere Babyfachmärkte in Hamburg!„, rufe ich laut durch den Laden. Wutschnaubend verlasse ich den Laden und zittere draußen vor Anspannung und Wut. Wollen die mich etwa verarschen?

Es ist zweimal vorgekommen, dass ich in diesem Laden eine halbe Stunde warten musste und dann eine schlechte Beratung bekam. Zweimal wollte man mir die Artikel zum Normalpreis verkaufen, obwohl sie reduziert waren. Ach, und die Sache mit der Stange für den Stubenwagen hab ich euch ja noch gar nicht erzählt. Also, wir haben einen Alvi Stubenwagen, aber da fehlte die Stange um den Himmel zu befestigen. Ich fand heraus, dass dieser Babyfachmarkt Alvi Vertragshändler ist und ging hin, um die Stange bestellen zu lassen. Das gleiche Spiel wie bei dem Kinderwagen begann: Die Verkäuferin sah im Onlineshop nach. „Haben wir nicht.“, sagte sie. „Ja, aber sie können die bei Alvi bestellen.“, war meine Antwort. „Nee, ist ja nicht im Onlineshop.“
Ich hatte die Schnauze voll und rief bei Alvi an. Man nannte mir die Artikelnummer und dass der Händler das bestellen könnte. Als ich sagte, die behaupten, das ginge nicht, fragte der Mensch von Alvi mich, um welchen Babyfachmarkt es sich handle. Ich nannte ihm den Namen und er sagte sofort „Ach die. Die machen immer Probleme. Natürlich können die das bestellen.“ Ich ging also erneut los, mit der Artikelnummer in der Hand und einer Menge Wut im Bauch und nach mehrmaligem „Doch, das geht!“ war es dann plötzlich doch möglich, die Stange zu bestellen.

So, jetzt hab ich mir endlich all den Frust über diesen Babyfachmarkt von der Seele geschrieben, hau das gleich noch raus in einer Mail an den Kunden“service“ und hab nun hoffentlich ein für alle Mal kapiert, dass ich um den Laden einen Bogen machen sollte. Alle anderen übrigens auch, denn egal, wen du fragst, alle erzählen solche Geschichten. Schade eigentlich, denn die Lage ist für uns so praktisch und das Sortiment eigentlich umfangreich.

Wie sind eure Erfahrungen mit Babyfachmärkten? Ich habe bisher sehr gute Erfahrungen mit kleinen Läden wie Familienbande oder Wohngeschwisterchen gemacht, aber die können leider nicht das ganze große Sortiment anbieten – stellen sich allerdings auch nicht quer, wenn sie was bestellen sollen.

Du magst vielleicht auch

6 Kommentare

  1. Na super, wenn die dann sogar nur in ihren eigenen Onlineshop schauen, müssen sie sich auch nicht wundern, wenn man nur noch online bestellt. Bei uns ist der nächste Babyfachmarkt über eine Stunde mit dem Auto entfernt, da sind wir so gut wie nie, weil es einfach schneller geht, online zu bestellen. Es sei denn, ich will etwas haben, was ich mir vor Ort ansehen muss, aber selbst dann fahre ich nicht unbedingt hin, denn i.d.R. kann man die bestellten Sachen ja auch zurück schicken. Und wenn man mal Beratung braucht…dann ist man im Babyfachmarkt auch nicht unbedingt gut aufgehoben, wie man sieht.

    1. Ja, ich dachte auch echt, die will mich verarschen, als sie nach ihrem „Mal sehen, ob ich das bestellen kann“ nur den eigenen Onlineshop aufrief. Das kann ich auch von Zuhause aus machen.

      Zum Glück haben wir hier einige Babyfachmärkte, große und kleine, in der Nähe, so dass ich die Wahl habe, wohin ich gehe (und trotzdem immer wieder in dem besagten Mist-Laden lande…). Wenn ich genau weiß, was ich haben will, dann bestell ich es meistens online, denn da wir kein Auto haben, ist mir zum Beispiel bei einem Tripp Trapp Hochstuhl das Geschleppe dann zu viel. Wenn ich, wie beim Autositz wissen muss, ob er zum Kind passt, dann geh ich in den Laden. Beim Thema Autositz waren wir – auch wegen inkompetenter Verkäuferinnen – insgesamt in vier Läden. Darüber muss ich bald nochmal gesondert schreiben, das war ne Tour…

  2. Ich kenne den Laden auch und habe ähnliches erlebt. Daher kann ich drei schöne Geschichten ergänzen:
    Als naive Schwangere wollte ich mich dort gerne informieren beraten lassen. Zum Thema Babytrage lautete die Beratung wie folgt: “[Schulterzucken] Die werden beide gern gekauft.“

    Thema Bettchen. Ich wußte, daß es Beistellbetten gibt, kannte aber die Markennamen noch nicht. Verkäuferin: “… oder ein Babybay.“ Ich: “Babywas?“ Verkäuferin: “Sie wissen nicht, was ein Babybay ist??“

    Später bestellten wir 4x eine Art Radkappen für den Kinderwagen nach (weil wir den Wagen dort kauften, sind wir leider an sie gebunden, da das nur über den Händler geht). Als ich sie abholen wollte, waren nur 2 da. Da sah ich auf dem Bestellzettel, daß jemand die 4 einfach durchgestrichen und durch eine 2 ersetzt hatte!

    Dies sind nur Beispiele – daß solche und andere Bestellungen ewig dauerten und noch auf andere Weise falsch bearbeitet wurden, sei nur am Rande erwähnt. Es ist unglaublich, daß dieser Laden bestehen kann!

    1. Oh je, das wird ja immer schöner. Gerade zum Thema Babytragen gibt es ja viel Beratungsbedarf.
      Ein Babybay hab ich tatsächlich zum ersten Mal auf der Wochenbettstation im Krankenhaus kennengelernt, ich wusste zuvor weder den Namen noch, dass es sowas gibt. Und das mit den Radkappen ist wirklich unsagbar frech. Da muss sich niemand wundern, wenn nur noch online gekauft wird.

  3. Oh wer kennt das nicht… Es ist einfach nur traurig, dass dort so viele Leute arbeiten, die offensichtlich weder Ahnung noch Lust haben sich mit dem Thema auseinander zu setzen. Vor allem weil man besonders als Erstgebährende denkt, in so einem Markt auf geballtes Fachwissen zu treffen – weit gefehlt. Mir ging es beim Kinderwagenkauf ganz genau so – inzwischen vermeide ich solche Läden so häufig es nur geht.

    Liebe Grüße
    Daniela

    1. Ja, das ist wirklich traurig. Da denkt man, man trifft dort auf Menschen, die einen kompetent und mit einem Mindestmaß an Begeisterung beraten und dann sowas. In kleinen Läden habe ich zum Glück tolle Erfahrungen gemacht: motiviertes Personal, gute Beratung usw. Doch natürlich haben die kleineren Läden auch nicht so das große Sortiment und deshalb nicht so viel Auswahl und sie haben leider auch selten die günstigsten Preise. Unseren Kinderwagen haben wir trotzdem in einem kleinen Laden gekauft, 30 € teurer als online, aber mit super Beratung und viel Service (haben uns so lange gezeigt, wie man ihn zusammenklappt, bis wir es endlich kapiert haben, haben ihn für uns aufgebaut, haben uns sofort angerufen, als er da war usw).

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.