Schwangerschaft und Pferd

Ich habe euch ja nach euren Themenwünschen gefragt und gleichzeitig mehr „Inga erzählt einen vom Pferd“ versprochen. Ganz passend kam dazu auf Twitter der Wunsch, dass ich mal darüber schreibe, wie ich den Stallalltag mit Baby bzw. Kleinkind so meistere. Ich habe mich entschlossen, das in drei Beiträge zu teilen, nämlich „Schwangerschaft und Pferd“, „Baby und Pferd“ und „Kleinkind und Pferd“. Los geht es heute mit „Schwangerschaft und Pferd“.

Hintergrundinfos

Zunächst braucht ihr ein paar Hintergrundinfos zu besagtem Pferd. Es heißt Paula, ist 27 Jahre alt, topfit, voll reitbar und lebt in Offenstallhaltung. Das bedeutet in unserem Fall, dass Paula mit anderen Pferden zusammen einen Stall hat, den sie nach Lust und Laune betreten und verlassen kann, 24 Stunden am Tag. Wenn sie ihren Stall verlässt, hat sie ein großes Paddock zur Verfügung, das ist eine große Auslauffläche mit Sand. Im Sommer sind die Pferde auf der Weide, dort gibt es natürlich auch Unterstellmöglichkeiten. Paula war früher Turnierpferd, wird aber, auch auf Grund ihres Alters, nur noch bei uns auf dem Reitplatz geritten, ohne Turniere. Ich habe sozusagen Vollpension für Paula gebucht, d.h. sie wird gefüttert und der Stall und das Paddock wird sauber gemacht. Durch die Offenstallhaltung und die damit verbundenen Bewegungsmöglichkeiten muss ich also nicht jeden Tag in den Stall. Vor der Schwangerschaft, also als ich noch Vollzeit gearbeitet habe, war ich normalerweise dienstags, donnerstags, samstags und sonntags im Stall, also vier Mal die Woche.

Kurz vor der Schwangerschaft

Ich überlasse ja nichts gern dem Zufall und deshalb war mein Mann so lieb, sich einem umfangreichen Pferde-Versorgungs-Kurs durch mich zu unterziehen. Man kann ja nie wissen, wie die Schwangerschaft so verläuft. Also lernte er das Pferd von der Weide zu holen, es zu putzen, die Hufe auszukratzen, und es zu longieren. Beim Longieren läuft das Pferd an einer langen Leine, der Longe, im Kreis um den Menschen herum. Man kann dem Pferd so Bewegung verschaffen ohne es zu reiten. Er lernte, Paula auch über Hindernisstangen zu longieren und auch sonst alles rund ums Pferd. Und das tat er sogar gern und freiwillig. 🙂

Während der Schwangerschaft

Die ersten zwei Wochen der Schwangerschaft waren für mich total normal. Ich hatte keinerlei Beschwerden und dank des Beschäftigungsverbotes viel frei. Es war ein schöner warmer Herbst und ich war eigentlich jeden Tag im Stall, ritt und genoss die Zeit mit dem Pferd. Zum Thema „Reiten in der Schwangerschaft“ sagte meine Frauenärztin: „Reiten ist für Sie unbedenklich – Sie dürfen nur nicht vom Pferd fallen.“ Ersteres ist natürlich nicht eins zu eins auf jede Schwangere übertragbar, es kann immer mal Gründe geben, die dagegen sprechen, also klärt das lieber ab. Und letzteres, ja klar, das stimmt. Ich entschied, dass die Wahrscheinlichkeit, vom Rad zu fallen oder einfach mal so zu stolpern, größer sei als die Wahrscheinlichkeit, dass ich vom Pferd fiel. Also ritt ich weiter wie bisher, bis dann der Bauch so groß war, dass ich mir nicht mehr sicher war, im Zweifelsfall sicher vom Pferd springen zu können bzw mich bei einem Sturz sicher abrollen zu können. Ich verzichtete allerdings auf wilde Galoppstrecken im Gelände und auf Springreiten.

Von der 8. bis zur 12. Schwangerschaftswoche war ich sehr, sehr müde und mir war sehr, sehr übel und ich musste mich häufig übergeben. Wie gut, dass ich meinen Mann so prima gecoacht hatte, der kümmerte sich nun um Paula. Dabei kam es immer mal wieder zu lustigen Szenen, bei denen ich auf dem Sofa liegend per Whatsapp ein Bild bekam mit einer Paula, bei der die Fliegenmaske völlig verquer auf dem Kopf hing mit der Unterschrift: „Ist doch richtig so, oder?“ Erklär das mal am Telefon, haha. Aber im Großen und Ganzen hat das mit meinem Mann und Paula prima geklappt und ab der 13. Schwangerschaftswoche war ich dann auch wieder voll einsatzfähig im Stall.

Etwa ab der 20. Schwangerschaftswoche war der Bauch dann irgendwie im Weg beim Reiten, jedenfalls so, dass ich wie gesagt nicht mehr sicher war, im Zweifelsfall sicher vom Pferd springen zu können bzw mich bei einem Sturz sicher abrollen zu können. Deshalb ritt ich ab der 20. Schwangerschaftswoche nicht mehr, fuhr aber dennoch drei bis vier Mal die Woche mit dem Fahrrad zum Stall um Paula zu putzen und zu longieren, damit sie fit bleibt.

In der Wochenbettzeit übernahm wieder mein Mann das Longieren und Versorgen, aber dazu lest ihr dann demnächst mit in „Pferd und Baby“.

Nun bin ich gespannt auf andere Geschichten von schwangeren Pferdebesitzerinnen. Wie war das bei euch? Seid ihr in der Schwangerschaft geritten?

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4 Kommentare

  1. Liebe Inga, was hier sehr dringend fehlt sind etwa 6 Milliarden Fotos von Paula!!! ❤
    Ich freue mich, auf die nächsten Teile! Btw: Hast du schonmal verbloggt, wie du und Paula ein Team geworden seid?
    Viele Grüße, Johanna

    1. Stimmt, die Fotos fehlen definitiv, die kommen noch dazu.
      Bisher hab ich noch nichts über sie geschrieben, aber ui, da könnte ich mal wieder „einen vom Pferd erzählen“ –> wird auf die „to blog“ Liste gesetzt <3

  2. Hallo Inga!
    Endlich komme ich mal wieder an den LapTop – nicht nur um zu arbeiten! 😉
    Dein Bericht von „Schwanger mit Pferd“ habe ich gerne gelesen. Schwanger mit Pferd ist ja eigentlich völlig problemlos *lach* auf die „Baby und Pferd“ Geschichte bin ich schon irre gespannt! Das war hier sehr spannend. Ich hatte nämlich ein Speikind und in der ersten Zeit bin ich am Stall nicht einmal aus dem Auto gestiegen, sondern direkt wieder nach Hause gefahren, weil das Baby sich mal wieder von oben bis unten vollgeko*** hatte. Während eines Hufschmiedtermines hat es so sehr gebrüllt, dass ich dachte es würde explodieren. Ich bin wieder nach Hause gefahren.
    Und auch in den folgenden Jahren war das mit den Pferden immer irgendwie schwierig. Mittlerweile geht es aber sehr gut mit Pferd und Kind. Nun bin ich gespannt auf die Fortsetzung deiner schönen Reihe.

    Liebe Grüße
    vom Landkind

    1. Herzlichen Dank für deinen Kommentar. Als ich das mit dem Hufschmied las, musste ich an unseren Tierheilpraktiker-Termin denken. Bis die Behandlung begann, schlief Kringel ruhig und zufrieden und dann war er wach, hungrig und natürlich regnete es in Strömen…alles nicht so einfach, aber im Großen und Ganzen lief „Pferd und Baby“ hier tatsächlich ganz gut. Ich freu mich schon drauf, darüber zu schreiben.

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