Eskalation beim Kinderarzt

Mittwochs zum Kinderarzt zu gehen ist ja so eine Sache, da wollen, genau wie montags und freitags, alle hin. Dieses Mal kommt erschwerend hinzu, dass Montag und Dienstag die Praxis geschlossen war. Dienstagabend überlegte ich noch, statt Mittwoch doch erst am Donnerstag hinzugehen, aber dann stieg das Fieber so an, dass ich es doch wagte, am Mittwoch hinzugehen. Ich überlegte, ob ich vielleicht schon 15 Minuten vor Praxisöffnung hingehen sollte – das wäre wahrscheinlich das Beste gewesen, aber ich wollte das fiebergeplagte Baby nicht wecken.

Der kleine Kringel wachte mit Normaltemperatur auf und wir gingen los zum Kinderarzt. Ich hoffte ja noch ein bisschen auf den Babybonus, aber als ich all die wartenden Babys sah, wurde mir klar, dass das nichts wird.

Die extrem freundliche Arzthelferin legte unsere Akte in die Reihe der nächsten Patienten, seufzte, zählte die Akten vor unserer und bat uns, in einer Stunde wiederzukommen. Kein Problem, wir wohnen ja nah dran. Eine Stunde später waren wir wieder da.

Es war noch immer voll. Klar, es war Mittwoch, die Praxis war inklusive Wochenende vier Tage geschlossen gewesen und es ist Erkältungszeit. Da weiß jeder, dass es dann voll wird. Das ist kein Vergnügen, aber man weiß es doch vorher. Eigentlich. Eine aufgebrachte Frau allerdings stand – mit ihrem Handy alles filmend – vor der Arzthelferin und beschimpfte sie. Sie müsse zu lange warten und blablabla. Die Arzthelferin bliebt unglaublich freundlich und ruhig. Sie bat die Frau, mit dem Filmen aufzuhören, aber die Frau brüllte nur: „Ich habe hier den Eindruck, ich würde sie nerven!“ und filmte und brüllte und filmte und brüllte. Ich habe echt Hochachtung vor der Arzthelferin, die trotzdem ruhig blieb. Ich glaube, ich hätte die Frau aus der Praxis geworfen und ihr hinterhergeschrien, auf Eltern wie sie könne man gut verzichten. Ihrem etwa vier Jahren alten Sohn war das Ganze spürbar peinlich. Letztendlich hat die Ärztin die Mutter zum Gespräch nach draußen begleitet – dadurch mussten alle anderen Patienten natürlich noch länger warten. Ich war einfach viel zu verwirrt von dieser unwirklichen Szene, dass ich gar nichts dazu sagen konnte. War wohl auch besser so, was freundliches hätte ich wohl kaum rausgebracht.

Als die filmende Frau weg war, ging es langsam weiter. Es waren noch immer so viele Menschen vor uns, dass wir noch eine halbe Stunde um den Block gingen. „Aber halb zwölf müsst ihr zurück sein, dann machen wir die Tür zu.“, hieß es. Also schlüpften wir um 11.25 Uhr wieder rein und gegen 12.30 Uhr kamen wir dann dran.

Sowas kann man nervig finden und man kann sich drüber aufregen. Man kann es aber auch lassen. Denn was kann die Arztpraxis dafür, wenn es zu wenige Kinderärzte gibt? Die Arzthelferinnen haben auch keine Lust auf den Stress und hätten auch gern pünktlich Feierabend oder wenigstens eine Mittagspause. Und die Kinderärztin nimmt sich trotzdem genug Zeit für jeden ihrer kleinen Patienten. Zum Glück.

Ich bin jedenfalls froh, dass wir heute da waren und nicht bis morgen gewartet haben, denn wir haben nun u.a. Hustentropfen bekommen, um den Schleim von den Bronchien wegzubekommen und damit beginne ich lieber heute als morgen.

Wie ist bei euch die Kinderarztsituation? Müsst ihr lange warten?

 

 

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