Linkparty zum Genderwahnsinn

Wie jeden Monat hat die liebe Wiebke auch im März wieder zu einer Linkparty aufgerufen, an der ich mit großer Freude teilnehme. Dieses Mal geht es um das Thema „Alles Gender, oder was?“.

Zunächst eine Frage an euch: Nennt mir mal 5 Menschen aus dem Profireitsport. Na, wer fällt euch da so ein?

Gut, und nun zählt ihr nach, wieviele der 5 Personen männlich und wieviele der Personen weiblich sind. & schreibt mir gern euer Ergebnis in die Kommentare, es interessiert mich wirklich. Im Reitsport treten übrigens Männer und Frauen gemeinsam gegeneinander an.
Schaut man sich die letzten 5 Goldmedalliengewinner bei den Olympischen Spielen an, so finden sich dort folgende deutsche Namen:

Dressur
1996: Isabell Werth
1992: Nicole Uphoff
1988: Nicole Uphoff
1984: Reiner Klimke
1972: Lieselott Linsenhoff

Springreiten
1996: Ulrich Kirchoff
1992: Ludger Beerbaum
1976: Alwin Schockemöhle
1956: Hans Günther Winkler
– einen 5, Goldmedalliengewinner enthält die Liste nicht, jedoch sind auch die Silber- und Bronzemedallien alle von männlichen deutschen Reitern gewonnen worden.

Vielseitigkeit (d.h. Dressur, Springen und Geländeritt mit Hindernissen)
2012 gewann die Deutsche Mannschaft die Vielseitigkeitsprüfung in dieser Besetzung:
Peter Thomsen
Dirk Schrade
Ingrid Klimke
Sandra Auffrath
Michael Jung

Ihr ahnt es schon: Der scheinbare Zusammenhang von Pferden und weiblichen Personen ist nicht die ganze Wahrheit. Da könnte man nun meinen, waghalsiges Springreiten sehr eben eher was für Jungs, feine Dressur was für die Mädchen. Die Erfolge der  Vielseitigkeitsreiterinnen und -reiter machen dieser Theorie jedoch schnell ein Ende. Möglicherweise ist der Profireitsport einer der wenigen Bereiche, in dem das Geschlecht keine Rolle spielt. Doch hinter jeder Profikarriere liegt ein langer Weg und auf jedem x-beliebigen Ponyhof werdet ihr deutlich mehr Mädchen als Jungen finden.

Warum ich euch das erzähle?
Ich saß mit unter einem Jahr das erste Mal auf einem Pferd und war dort nicht mehr wegzukriegen. Ich war ein richtiges Pferdemädchen – aber nicht so eins, das stundenlang Barbiepferde frisiert hat, sondern so eins, das echte Pferde gefüttert, geputzt und gestreichelt hat. So ein Pferdemädchen, das Schubkarren voll mit Pferdeäppeln zum Misthaufen gefahren hat und das früh gemerkt hat, das Pferde wunderbar sind, aber alles andere als rosa und glitzernd.

Während der Schwangerschaft ist der kleine Kringel im Bauch mitgeritten und mit zwei Monaten saß äh lag er das erste Mal auf dem Pferd. Natürlich hat er eine kleine Hose im Reithosen-Look und ein kleines Poloshirt mit einem Pferd drauf. Und da beginnt das Drama: Findet mal pferdemäßige Baby- und Kinderkleidung, die NICHT rosa ist. Es ist fast unmöglich. Selbst, wenn ich mal eine blaue Hose finde, ist garantiert ein rosa Pferd drauf. Ah! Rosa. Rosa. Rosa. & mit Glitzer. Ganz selten auch mal blau. Aber meistens rosa. Niemals grün oder gelb, nein, immer schön in der Rosa-Blau-Schublade wühlen. Das regt mich auf. Und es würde mich auch aufregen, wenn der kleine Kringel ein Mädchen wäre.

Die großen Reitsport(versand)kaufhäuser haben – neben meist rosa-lastiger Kleidung für Babys und Kinder – auch Spielsachen, Turnbeutel, Federmäppchen, Bettwäsche, Schreibblöcke, Stifte…alles nette kleine Geschenke für pferdeverrückte Kinder, natürlich alles in rosa. Anscheinend lohnt es sich nicht, sowas auch in blau oder in „neutralen“ Farben wie gelb oder grün herzustellen.

Kürzlich kam ein Katalog einer großen Kindermode-Marke ins Haus geflattert. „Fussballfieber“ hieß eine Kategorie, hier hab es Fußballshirts in blau, grün, gelb, rosa und die Models waren Mädchen und Jungen. Ein paar Seiten weiter gab es die Kategorie „Pferdeverliebt“ und zwar gleich mit dem Zusatz „Mädchen“. Die Models waren natürlich nur Mädchen und das einzige blaue T-Shirt hatte Rüschenärmel und Glitzer auf dem Pony. Beim Fußball scheint man kapiert zu haben, dass sich beide Geschlechter gleichermaßen dafür interessieren, bei den Pferden scheint es noch ein langer Weg zu sein.

Ich wünsche mir – und dem kleinen Kringel – dass es endlich aufhört, dieses Schubladendenken. Ich wünsche mir, dass er niemals blöde Sprüche hören muss, wenn er an seiner Reitsportkarriere bastelt. Oder wenn er Fußball spielt. Vielleicht möchte er auch Ballettprofi werden. Oder zum Wrestling. Hauptsache glücklich.

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