Kitaplatz-Suche

Heute waren wir unterwegs in Sachen Kitaplatz-Suche.
Ich habe zwei Jahre Elternzeit und möchte diese gemeinsam mit dem kleinen Kringel verbringen. Kurz nach seinem zweiten Geburtstag soll er dann die KiTa besuchen. Für uns ist das der optimale Zeitpunkt. Den muss jede Familie für sich selbst definieren. Ich habe als Erzieherin schon Fälle erlebt, da war es gut und richtig, dass das Kind mit 8 Wochen in die KiTa kam. Manchmal muss das sein. Ich habe Fälle erlebt, da waren Kinder im Alter von 3 Jahren täglich 12 Stunden in der KiTa und auch das war gut und richtig. Man muss sich die Einzelfälle ansehen, es gibt einfach kein pauschales Richtig oder Falsch.

Wenn ihr mehr dazu wissen möchtet, was aus meiner Sicht wichtig ist, um den idealen Zeitpunkt für Eltern und Kind zu finden, dann lasst es mich wissen, ich schreib gern was dazu. Aber hier sprengt das jetzt den Rahmen. Auch die verschiedenen Eingewöhnungsmodelle würden hier den Rahmen sprengen, aber auch dazu schreib ich gern nochmal was. Ich habe mir übrigens auch vorgenommen, euch die verschiedenen Arten der Kinderbetreuungseinrichtungen mal genauer vorzustellen, das kommt bald.

Ich bin, wie die meisten ja wissen, Erzieherin und Heilpädagogin in einer Kita. Mein eigenes Kind wollte ich aber in eine andere KiTa geben, einfach, um Abstand zu haben. Die KiTa soll ja auch ein Raum sein, in dem die Kinder sich entwickeln und von den Eltern lösen können.

Also sahen wir uns vor einigen Wochen die KiTa in der Nachbarschaft an.

Als Kollegin wurde ich dort mit einer erschütternden Ehrlichkeit empfangen, an der ich euch teilhaben lassen möchte. Die Zahnbürsten im Waschraum stehen da nur so rum, zum Zähneputzen sei keine Zeit. Alle Kinder der Krippengruppe (das sind die Kinder bis 3 Jahre) machen von 13 bis 15 Uhr Mittagsschlaf. Punkt. Deshalb könne ich mein Kind auch erst nach 15 Uhr abholen. Wer nicht schlafen kann oder möchte, muss trotzdem im Schlafraum liegen. Es gibt nämlich nur eine Erzieherin zu der Zeit und die macht außerdem während der Schlafenszeit auch noch Pause im Schlafraum. Als Erzieherin würde ich bei diesen Arbeitsbedingungen im Dreieck springen, und als Kind sowieso. Zwangsmittagsschlaf für alle. Vor dem Mittagsschlaf gibt es Essen. Jeder muss alles probieren – ein Vorgehen, das längst als überholt gilt. Als ich frage, ob die Kinder sich ihr Essen selbst auffüllen dürfen, werde ich mit großen Augen angesehen. Wie das denn gehen solle, immerhin würden hier zeitgleich 30 Kinder unter 3 Jahren essen und es wären nur eine Erzieherin und eine Praktikantin anwesend.

Generell wird dort die Gruppe von 25 Kindern unter 3 Jahren von zwei Erzieherinnen betreut. „Wenn mal eine Erzieherin krank ist oder Urlaub hat, hofft man, dass auch ein paar Kinder zuhause bleiben.“, gesteht die KiTa-Leitung. Wir stehen im Gruppenraum, er ist klein und dunkel. Ein paar Kinder möchten draußen spielen, aber von den zwei Erzieherinnen muss eine nun einem Kind die Windel wechseln und die zweite Erzieherin kann unmöglich alle Kinder allein anziehen. Also bleiben sie drinnen. Ausflüge? Nein, das machen bei uns erst die Elementarkinder (das sind die Kinder im Alter von 3 bis 6 Jahren).

Schockiert verließen mein Mann und ich die KiTa, von der wir nur Gutes gehört hatten.
Haben andere Eltern andere Ansprüche als wir? Fragen andere Eltern weniger nach?

Wir haben viel diskutiert und überlegt und sind nun zu dem Entschluss gekommen, unsere Position, dass das eigene Kind und ich nicht in die gleiche KiTa gehen sollten, zu überdenken. Heute hatten wir daher ganz offiziell einen Besichtigungstermin in „meiner“ KiTa. Wo sich auch die Kleinen ihr Essen selbst auffüllen, wo sie entscheiden, was und wieviel sie essen, wo die Zähne geputzt werden, wo Ausflüge gemacht werden, wo schlafen darf, wer müde ist und wo spielen darf, wer wach ist. Wo es eine große Gruppe für alle Kinder gibt, mit vielen Erziehern, Heilpädagogen, Ergotherapeuten, Logopäden, Physiotherapeuten. Mit Angeboten speziell für die Kleinen und die Großen, aber eben auch für alle zusammen.

Jetzt weiß ich endlich, was alle meinen, wenn sie sagen, die KiTa in der ich arbeite sei eine kleine Oase, eine kleine perfekte Welt. Mit so einem Hintergrund wird es schwer, jemals eine andere KiTa zu finden, die mich überzeugt.

 

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4 Kommentare

  1. Wow, was du schreibst, schockiert mich echt… Wir haben auch schon eine KiTa besucht, aber vielleicht hätten wir noch mehr nachfragen und nachhaken sollen. Nur wer weiß, wie ehrlich die Antworten gewesen wären?
    Aber es ist auch gut zu wissen, dass es auch Einrichtungen wie deine gibt, in denen es anders läuft! Unter diesen Voraussetzungen ist es wohl wirklich besser, wenn euer kleiner Kringel zu dir in die KiTa geht.

    Übrigens fände ich eine Aufführung der verschiedenen Eingewöhnungsmodelle total hilfreich!

    Alles Liebe
    Steffi

  2. Bitte was?! Ich bin schockiert! So eine KiTa ist ja der pure Horror! Das ist ja schon fast ne Anzeige würdig… Wer gibt sein Kind da freiwillig hin???

    Zum Start-Alter: unsere zwei haben wir beide mit 22 Monaten eingewöhnt und die jeweils zwei letzten Monate Elternzeit dafür genutzt, so dass es dann mit 2 „richtig“ für sie los ging. Beide sind total unterschiedlich, beide haben es gut gemeistert und gehen gerne; momentan noch halbtags bis 12; ab Sommer 2 Tage bis 14h. Aber auch bei der 2jährigen schon „normaler KiGa“.

  3. Man muss wohl wirklich unbequeme Fragen stellen um an die unbequemen Antworten heranzukommen. Ich werde mal eine kleine Fragenliste erstellen für alle, die auf Kita-Suche sind. & zur Eingewöhnung kommt auch bald was.

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