Kita-Portrait: Der Kinderladen

Es gibt eine Vielzahl von Angeboten zur Kinderbetreuung, da kann man schnell den Überblick verlieren. Ich möchte euch auf dem Blog nach und nach einige Arten der Kinderbetreuung vorstellen, gebe jedoch zu bedenken, dass natürlich auch hier große Unterschiede herrschen können.

Beginnen möchte ich mit dem Kinderladen. Ein Kinderladen ist eine selbstverwaltete Kinderbetreuungseinrichtung, häufig handelt es sich um eine Elterninitiative. Kinderläden sind meistens in ehemaligen Ladengeschäften untergebracht, daher der Name. Entstanden sind Kinderläden in den 1960er Jahren.

Bei Kinderläden ist es wichtig, dass ihr euch genau nach den Qualifikationen der Personen, die eure Kinder betreuen, erkundigt und euch überlegt, wie ihr das findet. Viele Kinderläden, die ich kenne, sind so organisiert, dass jeweils zwei Elternteile den Frühdienst und den Spätdienst übernehmen, ausgebildete Pädagogen sind also nur in der Hauptzeit vor Ort. Auch, wenn der Kinderladen vieles selbst organisieren darf, ist letztendlich das Jugendamt für die Überwachung der Einhaltung aller Vorschriften zum Betrieb eines Kinderbetreuungsangebots zuständig.

Kinderläden erwarten in der Regel eine hohe Beteiligung der Eltern, sei es durch Übernahme des Früh- und Spätdienstes oder des Putzdienstes. In manchen Kinderläden kochen die Eltern auch selbst. Durch die hohe Beteiligung der Eltern entsteht eine familiäre Atmosphäre und die Eltern haben viel Mitspracherecht, sie können den Alltag im Kinderladen aktiv mitgestalten. Das ist meiner Meinung nach eine tolle Sache, es müssen sich aber alle Eltern vorher genau fragen, ob sie das möchten und ob sie das neben ihrem Job noch leisten können.

In einem Kinderladen werden in der Regel etwa 15 bis 20 Kinder betreut, alle zusammen in einer Gruppe. Manche Kinderläden nehmen nur Kinder im Alter von 3 bis 6 Jahren auf, manche nehmen auch schon ab 1 Jahr oder jünger auf. Auch hier ist der Austausch wichtig und ein genauer Blick auf die Erfahrungen mit der Betreuung kleiner Kinder, zumal Kinder im Alter von 1,5 Jahren einfach andere Rahmenbedingungen brauchen als Kinder im Alter von 5 Jahren – Stichwort Mittagsschlaf zum Beispiel.

Während meiner Erzieherausbildung durfte ich einen Kinderladen in Berlin näher kennenlernen. Ich war dort einige Wochen als Praktikantin und war begeistert von der Atmosphäre. Es war ein sehr freundschaftliches Miteinander zwischen Eltern und Erziehern. Den Früh- und Spätdienst übernahmen die Eltern, für das Mittagessen und das Putzen war der Zivi zuständig (das Mittagessen kam von einem Bio-Kindercatering-Service, der Zivi musste als nicht selbst kochen, nur auspacken und kontrollieren).
In dem Kinderladen wurden 15 Kinder im Alter von 3 bis 6 Jahren betreut. Zur Hauptzeit waren neben dem Zivi noch eine Sozialpädagogin und zwei Erzieherinnen da. Ein absolut traumhafter Betreuungsschlüssel, der auch bei Urlaub und Krankheit nicht ins Wanken gerät.

Der Kinderladen befand sich im Erdgeschoss eines Wohnhauses im Hinterhof.
Es gab zwei große Räumen, einen Bewegungsraum und einen Gruppenraum mit Bastelecke, Experimentierecke, Leseecke, Bauecke, Essecke und dann noch einen kleinen Rückzugsraum, in dem die Kinder auch mal ganz unter sich sein durften. Alle Räume waren liebevoll gestaltet und man hatte das Gefühl, dass sich hier alle wohl und wie zuhause fühlen.

Der Hof bot den Kindern vielfältige Spielmöglichkeiten an und wenn am Nachmittag die Sonne schien, die Kinder mit dem Dreirad über den Hof fuhren oder in der Sandkiste spielten oder das Kaninchen streichelten und dann noch die Sozialpädagogin für alle Erwachsenen Latte Macchiato brachte, dann fühlen sich alle wie im Urlaub statt auf der Arbeit. Ein Gefühl, dass wir uns und den Kindern häufiger gönnen sollten.

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3 Kommentare

  1. Das klingt nach wirklich traumhaften Zuständen! Ich wünschte, so etwas gäbe auch auch hier in der Nähe. Und toll, dass du erklärst, was es so ein „Kinderladen“ eigentlich ist. Ich hab mit dem Begriff lange nichts anfangen können 🙂

  2. Danke, das freut mich! Kinderläden sind leider eher in Großstädten zu finden, Berlin hat da irgendwie besonders viele, wie mir scheint. Der, in dem ich Praktikum machen durfte, war wirklich traumhaft. Ich wollte nach der positiven Erfahrung unbedingt in einem Kinderladen zahlen, aber leider gibt es in Hamburg erstens nicht so viele wie in Berlin, zweitens haben die wenigstens davon zu dem Zeitpunkt Personal gesucht und drittens war die Bezahlung schlechter als bei „normalen“ Kindergärten. Tolle Arbeitsbedingungen sind natürlich viel wert, machen aber eine Berufsanfängerin nach drei Jahren unbezahlter Ausbildung nicht satt.

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