Der Jockey Comfort Fahrradsitz

Nachdem bei Twitter, Facebook und Instagram – danke, ich freu mich über all eure Kommentare und würde mich freuen, wenn ihr auch auf dem Blog kommentiert – einige Fragen zu unserer Zufriedenheit dem mit Kinderfahrradsitz bekommen habe und zur Handhabung und auch Gedanken wie „Ich trau mich noch nicht so recht“ mitgeteilt bekommen habe, habe ich mich entschlossen, noch ein bisschen tiefer ins Details zu gehen.

Warum wir einen Sitz für hinten gewählt haben, könnt ihr hier nachlesen.

Ich dachte ja immer, der Sitz würde auf dem Gepäckträger sein und machte mir schon Gedanken, ob der Gepäckträger meines Fahrrades auch stabil genug sein. Aber da irrte ich mich: Am Sattelrohr wird eine Halterung befestigt und dort wird der Sitz eingeklickt, so dass er über dem Gepäckträger schwebt. Wie ein Jockey auf dem Pferd. Im Nachhinein ist alles so logisch. 😉

Diese Halterung könnt ihr einzeln kaufen, ich habe eine an meinem Rad und mein Mann hat eine an seinem, so dass wir den Sitz schnell hin und her wechseln können. Der Sitz ist übrigens total leicht und man kann ihn problemlos mit einer Hand aus dem Keller zum Fahrrad tragen und gleichzeitig ein Kleinkind auf dem Arm halten. 🙂 Auch das Reinstecken in die Halterung geht mit einer Hand – zum Glück, denn sonst wäre Kringel schon drei Häuser weiter bis ich fertig wäre. Es macht zuverlässig „klack“ und man sieht auch, ob die Stangen richtig in der Halterung stecken.

Kindersitzhalterung
Kindersitzhalterung

 

Was sehr hilfreich ist – und in der Anleitung auch empfohlen wird – ist ein Doppelständer für das Fahrrad, damit es auf gar keinen Fall umkippt, wenn ihr das Kind in den Sitz setzt, das Kind aus dem Sitz herausnehmt oder das Fahrrad mit Kind im Sitz abstellt. Und wenn man einen Doppelständer hat, dann braucht man auch eine Feder, die verhindert, dass das Vorderrad zur Seite schwenkt. Am besten fahrt ihr deshalb mal zum Fahrradladen, denn nicht jeder Doppelständer passt an jedes Rad. Einbauen kann man ihn leicht selbst, aber wenn ihr schon da seid, dann lasst wenigstens diese Feder einbauen, denn das ist kein Vergnügen und die Jungs und Mädels dort im Fahrradladen haben das einfach drauf.

Übrigens machen lassen: Ihr könnt die Fahrradsitze in den meisten Fahrradläden kaufen und dann auch anbauen lassen. Ich weiß, die Sitze sind nicht ganz günstig und wir sind auch schwach geworden, als der Babyfachmarkt den Sitz inklusive Helm für wenig Geld im Angebot hatte. Aber nach all den Problemen, die wir mir dem Einbau an meinem Hollandrad hatten, haben wir uns gedacht, dass es auch nicht schlecht gewesen wäre, das im Fahrradladen erledigen zu lassen. Und natürlich haben wir uns nicht mit einem woanders gekauften Sitz zwecks Einbau in den Fahrradladen getraut, was im Grunde Quatsch ist, das hätten die bestimmt gemacht. So, nun sollt ihr aber nicht denken, das sei kompliziert mit dem Einbau. Am Rad meines Mannes war das in fünf bis zehn Minuten erledigt, aber mein Hollandrad war da etwas spezieller. Das Speichenschloss musste entfernt werden, damit die Halterung ans Sattelrohr passt und dann musste die Halterung, die den Sattel auf der Sattelstange hält, umgedreht werden, weil der Sattel sonst gegen den Sitz gedrückt hätte. Und leider gibt es auch Fälle, da passt die Halterung nicht zwischen Sattelrohr und Schutzblech.

Nun zurück zum Sitz selbst. Wir haben den Jockey Comfort von Britax Römer gewählt. Der Sitz ist mehrfach an den Fußrasten und an der Rückenlehne größenverstellbar, so dass er lange passt. Zugelassen ist er für Kinder von 9 kg bis 22 kg. Der richtige Zeitpunkt, einen Kinderfahrradsitz zu nutzen, ist frühestens, wenn das Kind allein, frei und selbstständig sitzen kann.

vielfälltig verstellbar
vielfälltig verstellbar

 

Der Sitz kann ganz leicht in die Liegeposition gestellt werden, was aber nicht wirklich eine Liegepostition ist, sondern ein leichtes Zurücklehnen. Das ist bei uns meist die Standardposition, denn die andere ist wirklich sehr aufrecht. Wenn man sich mal umsieht, fahren fast alle Kinder in der Liegepostion. In dieser Position kann Kringel sogar super schlafen, ohne, dass sein Kopf nach vorn oder zur Seite kippt. Ich krieg ja immer die Krise, wenn ich Kinder sehe, die im Kinderfahrradsitz schlafen und deren Kopf dann hin und her schlackert. Liegepostion rein, vorsichtig bei Baumwurzeln und Kopfsteinpflaster und schon kann das Kind in einer guten Position schlafen, das haben wir Dienstag ausführlich getestet.

Übrigens kriege ich auch eine Krise, wenn ich Eltern sehe, die mit Rucksack auf dem Rücken fahren und der so voll gepackt ist, dass er dem Kind ins Gesicht drückt. Das geht gar nicht, liebe Eltern. Ich fahr zur Zeit mit Umhängetasche, was nur mäßig bequem ist. Wir hatten einen hochpreisigen Korb für vorn mit einer Klick-Halterung, zugelassen bis 5 kg Gepäck. Bei der Testfahrt waren 3 kg drin und der Korb brach nach fünf Metern aus der Halterung. Wer Tipps hat – immer her damit. Leider hat mein Hollandrad vorne keinen Gepäckträger, sonst fänd ich da eine Holzkiste ja ganz schick.

Nun zum Fahrgefühl. Während der Fahrt macht sich der Sitz nicht bemerkbar, es ist auch nicht anstrengender als ohne Kind. Zum Anfahren schalte ich runter in den 1. Gang und muss ein paar Schritte „Anlauf“ nehmen, jedenfalls, wenn es leicht bergauf geht. Daran gewöhnt man sich aber schnell und das geht wahrscheinlich auch jedem Radfahrer anders. Ich bin wirklich positiv überrascht davon, wie wenig, also im Grunde gar nicht, man den Sitz mit dem Kind beim Fahren merkt. Auch wildes Gefuchtel mit den Armen, zum Beispiel, wenn Kringel einen Hund entdeckt, bringen mich nicht aus dem Gleichgewicht.

Der Sitz hat weich gepolsterte Gurte, die leicht verstellbar sind. Das ist gut, denn wenn ihr von der Normalposition in die Liegeposition wechselt, müsst ihr ganz leicht die Gurte verlängern. Das geht aber quasi auf Knopfdruck. Das Polster ist ebenfalls weich und kann gewaschen werden. Außerdem kann es umgedreht werden, unseres ist von der Rückseite grau.

gepolsterte Gurte
gepolsterte Gurte

 

Ich hoffe, ich habe nun alle eure Fragen beantwortet. Ansonsten: Fragt gern nach, ich glaube, alles beantworten zu können. 🙂

Ich wünsche euch und euren Kids immer gute Fahrt – und vergesst nicht den Helm und checkt nochmal das Licht an eurem Rad, der Herbst ist da.

Regensicher abstellen könnt ihr euer Fahrrad übrigens mit  Regenhüllen für Sattel, Fahrradkorb und Kindersitz. Hüpft doch mal rüber in den DaWanda Shop von Fahrradzeugs.

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10 Kommentare

    1. Hey Katarina,
      bei dir dachte ich sofort, dass für euch ein Lastenrad wie zum Beispiel Babboe super wäre. Aber dann fiel mir ein, dass Motti, Nini und Wawi natürlich schon selbst (Lauf-)Rad fahren können. Wenn du also nur ein Kind mitnehmen musst, ist der Römer Jockey auf jeden Fall prima.
      Liebe Grüße, Inga

    1. Ja, das stimmt. Man sieht ihn auch wirklich an jeder Straßenecke hier. Jetzt hab ich ja entdeckt, dass es bei DaWanda Menschen gibt, die noch schönere Sitzbezüge anbieten. Ist ja bald Weihnachten 😉

  1. Danke für Deinen ausführlicgen Bericht und all die Tipps! Man merkt, dass Du ein echter Fahrrad Profi bist 😊 Auch Deinen Sitz finde ich sehr interessant.

    Viele liebe Grüße und allzeit gute Fahrt
    Küstenmami

  2. Huhu und danke für den ausführlichen Bericht! Seitdem ich einen Kindersitz habe, transportiere ich unseren Kram in fahrradtaschen am Vorderrad, die Halterung dazu kannst du dir einfach im Radladen montieren lassen. Und wenn du den Sitz nicht dabei hast, klemmst du die Taschen am Gepäckträger fest. Super praktisch, finde ich! (Auch wenn es aussiehst als sei man im Rad-Trecking Urlaub 😂)

    1. Das ist eine gute Idee, wir wollten eh in den nächsten Tagen mal zum Fahrradladen, dann frag ich da mal nach, was sie machen können.

  3. Hallo liebe Inga, also wir fahren derzeit die Zwillis noch mit dem Anhänger durch die Gegend, aber ich hab als Alternative schon öfter mal über einen Sitz nachgedacht. Denn manchmal ist es praktischer nicht immer so ein riesenteil dabei zu haben. Danke für den ausführlichen Bericht. Das erleichtert die Kaufentscheidung…
    Liebe Grüße, Anna

    1. Moin liebe Anna,

      ja bei Zwillingen ist das so eine Sache, da hätten wir vermutlich auch einen Anhänger gewählt. Die Nachbarin hat einen, sie hat zwei Kids mit kleinem Altersabstand, aber sie hat auch den Jockey Kindersitz für hinten und nutzt ihn, wenn sie nur mit einem Kind unterwegs ist. Denn wie du schon sagst, es ist nicht immer praktisch, so ein Riesenteil dabei zu haben. Heute war ich übrigens sehr froh, den Kindersitz hinten drauf zu haben, denn da kommt man ja fast überall durch, wo man sonst auch durchfahren würde, weil er das Rad nicht breiter macht. Mit Anhänger oder Lastenrad hätte ich einen grooooßen Bogen um auf dem Gehweg abgestellte Mülltonnen fahren müssen – so konnte ich mitten durch. „Kringel, Nase zuhalten!“ rufen und ab geht’s. 🙂

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