Die schlimmste Nacht meines Lebens

​Gestern war sie ein Jahr her, die vermutlich bisher schlimmste Nacht meines Lebens. 

Es begann ganz harmlos an einem Montag, Kringelchen wurde zum ersten Mal geimpft und bekam am Abend Fieber. Das kann passieren, darauf waren wir vorbereitet. Das Paracetamol Zäpfchen tat seine Wirkung und das Fieber ging zurück. Kringelchen war die ganze Zeit über gut gelaunt und verhielt sich ganz normal. 

Der Dienstag verlief ebenfalls ganz normal, jedoch teilweise mit erhöhter Temperatur, abends wieder Fieber. Genauso der Mittwoch. Ich rief beim Kinderarzt an und fragte, wie lange nach der Impfung es normal sei, dass das Baby Fieber habe. Hm, ja, also noch ist es im Rahmen, aber wenn es nicht weg geht, sollen wir vor dem Wochenende nochmal kommen.

Der Donnerstag verlief fieberfrei und Kringelchen zeigte, wie auch an den Fiebertagen, ein gutes Allgemeinbefinden. Gegen 20 Uhr kippte die Lage gewaltig. Kringelchen hatte eiskalte Hände und Füße, dazu einen warmen Kopf und Körper. 39,5 Grad. Im Alter von 8 Wochen. Er bekam ein Paracetamol Zäpfchen, wurde gestillt und schlief ein. Ich war froh, dass er so gut und viel trank. Nach zwei Stunden überprüfte ich die Temperatur erneut: noch immer 39,5 Grad. Seltsam, eigentlich sollte die Temperatur durch das Paracetamol doch sinken…? Da Kringelchen gut trank, viel schlief und die nächste Paracetamolgabe erst nach 8 Stunden, also um 4 Uhr nachts möglich war, kuschelten wir auf dem Sofa, wenngleich sich eine gewisse Unruhe bei mir ausbreitete. Er schlief und stillte, schlief und stillte, alles ganz normal. 

Gegen 1 Uhr wurde er wach, bekam eine neue Windel und ich holte das Fieberthermometer. 39,7. Die Temperatur war gestiegen, trotz Paracetamol. Scheiße. Was machen wir denn nun? Ich bekam Panik. Kringelchen lag auf meinem Arm, stillte, schlief ein und ich hatte Angst, richtig schlimme Angst. 39,7 Grad. Das war zu viel. Mein Mann und ich lasen noch einmal die Packungsbeilage: 8 Stunden Wartezeit, also noch ganze drei Stunden. Das geht so nicht. Mir liefen die Tränen vor Angst. Die Temperatur war zu hoch, das Paracetamol wirkte nicht. Ich hatte noch nie in meinem Leben so eine Angst.

Notarzt. Wir rufen die 112. Dann sollen die entscheiden, was zu tun ist. Die Angst steuerte meine Gedanken. Ich sah Kringelchen an, der so friedlich in meinen Armen schlief. Was, wenn er plötzlich aufhört zu atmen? Angst. Angst. Angst.

Wir riefen nicht die 112. Wir riefen das 24 Stunden Ärztetelefon unserer Krankenkasse an und sprachen mitten in der Nacht mit einer sehr netten, kompetenten Kinderärztin. Sie nahm mir ein bisschen die Panik, sagte, wir sollen einen feuchten Lappen auf Kringelchens Stirn legen und die Temperatur stündlich kontrollieren. Wenn sie steigt, sollen wir die 112 rufen. Ansonsten um 4 Uhr wieder Paracetamol geben und morgens zum Kinderarzt.
Das Gespräch beruhigte mich seltsamerweise. Wir messen dann nun alle halbe Stunde, ordnete ich an. Mein Mann brachte einen feuchten Waschlappen und dann schlief ich ein, erschöpft von der Angst. Kringelchen wurde um halb fünf wach. Mit meinem Aufwachen war die Panik wieder da. Ich hatte versagt, ich hatte geschlafen statt ständig die Temperatur zu kontrollieren. Außerdem hätte er schon vor einer halben Stunde das Medikament bekommen können und überhaupt und sowieso könnte er 40 Grad Fieber haben und keiner hat es bemerkt… Ah, Horror. Die Angst, die Panik war zurück.
37,4 Grad. Ich war noch nie im Leben so erleichtert. Ich stellte den Wecker auf 7 Uhr, um gleich um 8 Uhr beim Kinderarzt vor der Tür stehen zu können und ging mit Kringelchen ins Bett. Er schlief fröhlich stillend ein und ich weinte vor Erleichterung.

Pünktlich um 8 Uhr standen wir beim Kinderarzt vor der Tür und wie es dann weiterging und dass das Fieber mit der Impfung gar nichts zu tun hatte, erzähle ich euch ein anderes Mal. Jetzt geh ich rüber ins Schlafzimmer zu Kringel, der gesund in seinem Bettchen liegt und bin einfach nur glücklich, dass alles gut ausgegangen ist.
Gute Nacht!

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