Die richtige KiTa finden

Es hat sich schnell herumgesprochen, dass ich Heilpädagogin in einem Kindergarten bin und deshalb werde ich häufig bei Kindergartenthemen um Rat gefragt. Darüber freue ich mich immer sehr und gebe gern Auskunft. Damit ihr alle was davon habt, gibt es hier ein paar Insider-Tipps um die richtige KiTa zu finden.

Ob überhaupt und in welchem Altern ein Kind in die KiTa geht oder gehen sollte, hängt von ganz vielen unterschiedlichen Faktoren ab, dazu schreibe ich bald was in einem gesonderten Artikel. Hier geht es nun darum, was eine gute KiTa ausmacht.

Die Anforderungen, die Eltern an eine KiTa stellen, sind natürlich sehr unterschiedlich. So kann es also sein, dass die Nachbarin die KiTa total klasse findet (und ihre Kinder auch), ihr die KiTa aber nicht so gut findet. Fragt gern die Nachbarn nach ihrer Zufriedenheit mit der KiTa und fragt auch die Kinder der Nachbarn, aber macht euch auf jeden Fall selbst ein Bild.

1. Lage der Kita

Zunächst müsst ihr euch klar werden, was euch wichtig ist: Eine KiTa in der Nachbarschaft oder eine KiTa nah an eurem Arbeitsplatz. In den meisten Fällen fällt die Wahl auf die Nachbarschaftskita, da hier Freundschaften zu Kindern aus dem Viertel und zu den späteren Mitschülerinnen und Mitschülern aufgebaut und gefestigt werden können und weil Verabredungen außerhalb der KiTa leichter umzusetzen sind, wenn alle nah beieinander wohnen.

2. Öffnungszeiten der KiTa

Überlegt euch genau, welche Anforderungen an die Öffnungszeiten der KiTa ihr habt. Plant ein, dass ihr vielleicht nicht immer pünktlich Feierabend machen könnt und dann mal fünf oder zehn oder fünfzehn Minuten später kommt. Solche Ausnahmen sind nicht gern gesehen und können in den meisten Fällen auch nicht abgerechnet werden, deshalb: Holt und bringt eure Kinder innerhalb der vereinbarten Zeit. Es ist nicht nur ein Abrechnungsproblem, sondern verspätetes Bringen verbaut euren Kindern die Teilnahme am gemeinsamen Morgenkreis und an Ausflügen und verspätetes Abholen versaut den Erzieherinnen und Erziehern den Feierabend. Deshalb solltet ihr euch genau nach den Öffnungszeiten erkundigen und wie das im Detail abläuft. Oft gibt es eine „Kernzeit“, zum Beispiel von 8.00 – 16.00 Uhr und dann einen Frühdienst ab 6.00 Uhr und einen Spätdienst bis 18.00 Uhr, für den man das Kind aber gesondert anmelden muss.

Fragt auch nach Schließungstagen für Betriebsausflüge und Weiterbildungen sowie nach den Regelungen für den 24.12. und den 31.12.

3. Unterteilung der KiTa

Es gibt viele Varianten, wie die Kinder in der KiTa aufgeteilt sind. Klassisch ist die Krippe für Kinder von 0-3 Jahren und der Elementarbereich für Kinder von 3-6 Jahren. Oft gibt es mehrere Krippengruppen und Elementargruppen, manche KiTas arbeiten aber auch „offen“, d.h. alle Krippenkinder werden gemeinsam betreut und alle Elementarkinder ebenso. Es gibt auch KiTas, in denen die Kinder von 0-6 Jahren alle zusammen betreut werden, ohne Unterteilung in Krippe und Elementarbereich.

Das sind so die klassischen Aufteilungen, wenngleich es weitere Möglichkeiten gibt. Ob es nun besser oder schlechter ist, die Kinder nach Alter zu trennen, ob Gruppen oder offene Arbeit besser sind, all das hängt von dem Konzept der KiTa und dessen Umsetzung ab. Nehmt euch Zeit um den KiTa Alltag mit eurem Kind zu erleben, bevor ihr euch entscheidet. Wenn euch alles wild und unübersichtlich vorkommt, dann ist es das oft auch. Manche KiTas gehen leider tatsächlich nach dem Motto „Wir machen nun offene Arbeit, zack!“ vor und haben keine Ahnung von den hohen Anforderungen, die dieses Modell mit sich bringt. Ich kenne viele positive Beispiele für offene Arbeit mit altersgemischten Gruppen, aber es gibt auch sehr unstrukturierte Beispiele, bei denen die Kinder sich dann häufig verloren fühlen. Daher mein Appell an euch: Informiert euch über das Konzept der KiTa und seht euch an, wie es umgesetzt wird. Passt das zu eurem Kind?

4. Der Betreuungsschlüssel

Fragt nach dem Betreuungsschlüssel der KiTa und seid hartnäckig und kritisch.
Die Bertelsmann Stiftung empfiehlt in der Krippe eine Erzieherin für 3 Kinder und im Elementarbereich eine Erzieherin für 7 bis 8 Kinder.
So, nun vergleicht das mit der Situation in eurer KiTa.
Die Realität sieht eher so aus, dass in der Krippe zwei Vollzeitkräfte eine Gruppen mit 15 Kinder betreuen.

Also, wir stellen uns nun 15 Kinder unter drei Jahren vor und dazu zwei Vollzeiterzieherinnen. Fragt bitte übrigens genau nach den Qualifikationen, eine Erzieherin hat eine längere, umfangreichere Ausbildung als eine Sozialpädagogische Assistentin (SPA).
Also, da sind nun unsere 15 Kinder unter drei Jahren mit ihren zwei Erzieherinnen. Fühlt sich nicht gut an, dieses Gedankenexperiment, oder? Jetzt hat Emma Streit mit Mia und Anna wegen einer Puppe, Karl ist bei seinen tapsigen ersten Schritte hingefallen und weint, Leo möchte mit der Erzieherin ein Buch ansehen, Lena kommt gerade Backenzähne und möchte eigentlich nur auf den Arm, Vito und Frida haben die Windel voll. Oh, Finn auch. Aysegül, Emilia und Lukas möchten so gern draußen spielen. Niklas nimmt Harun das Spielzeug weg und Harun fängt bitterlich an zu flennen. Die Mutter von Lenya möchte etwas dringendes mit der Erzieherin besprechen.

Individuelle Förderung? Zuwendung? Geborgenheit? Aufmerksamkeit? Muss leider ausfallen wegen Personalmangel.

Wenn die KiTa-Leitung euch sagt, es sind zwei Vollzeitkräfte für 15 Kinder unter 3 Jahren, dann seid kritisch und fragt, wie das denn gehen soll. Wie ist die Betreuung während der 30-minütigen Pause der Erzieherin? Was ist, wenn eine Erzieherin Urlaub hat? Was ist bei Krankheit? Und lasst euch bloß nicht abspeisen mit „Wir haben noch Praktikanten…“. Fragt, wie Bildung, individuelle Förderung, Aufmerksamkeit, Geborgenheit und und und möglich sein sollen bei zwei Erzieherinnen auf 15 Kindern. DAS GEHT NICHT!

Einen Betreuungsschlüssel von 1:3 werdet ihr leider kaum finden, aber 1:5, also eine Erzieherin für 5 Kinder sollte bei den Kindern unter 3 Jahren gegeben sein. Ich wünsche euch und euren Kindern, dass ihr so eine KiTa findet, sie sind selten.

5. Essen, Zähneputzen, Schlafen

Drei heikle Themen, bei denen ihr keine Kompromisse machen solltet.

Wie wichtig ist euch Bio-Essen? Vegetarisch? Vegan? Hat euer Kind eine Nahrungsmittelunverträglichkeit? Wird das Frühstück selbst mitgebracht oder stellt die KiTa das Frühstück? Muss Essensgeld gezahlt werden? Gibt es eine Obstpause am Nachmittag? Muss das Kind alles probieren? Muss der Teller leergegessen werden? Ja, fragt sowas, ihr glaubt ja gar nicht, was es alles für Regelungen gibt. Ich sag nur „Wenn du nicht auf isst, gibt es keinen Nachtisch.“ Solche Erzieherinnen gehören auf den Mond geschossen, aber auf keinen Fall gehören sie in die Essensbegleitung eines Kindes. Übrigens, wo wird eigentlich gegessen? Wieviele Kinder essen da gleichzeitig? Wieviele Erzieherinnen sind dabei? Dürfen die Kinder sich ihr Essen selbst auffüllen? Was passiert eigentlich, wenn mein Kind das Essen nicht mag?

Zähneputzen ist so ein Thema, das in vielen KiTas der Faulheit der Erzieherinnen dem Personalmangel zum Opfer fällt. Fragt nach, ob geputzt wird, wie oft und ob mit Zahnpasta oder nur mit Wasser geputzt wird. Bei der Gelegenheit könnt ihr auch gleich fragen, wer Zahnbürsten und Zahnpasta kauft.

Die meisten Kinder unter drei Jahren brauchen einen Mittagsschlaf. Wenn der Mittagsschlaf allerdings zum Zwang für alle wird, läuft was schief. Kinder, die regelmäßig keinen Mittagsschlaf machen, müssen die Möglichkeit haben, in dieser Zeit angemessen betreut zu werden. Und das bedeutet nicht, dass sie sich im Schlafraum schweigend mit einem Buch aufs Sofa setzen müssen. Ebensowenig bedeutet es, dass sie die Zeit bei den Elementarkindern in der Gruppe verbringen müssen. Übrigens ist der Mittagsschlaf oft eine Sperrzeit für die Abholung, fragt das mal nach, wenn ihr nach den Betreuungszeiten fragt. Wichtig ist auch, wer die schlafenden Kinder eigentlich beaufsichtigt. Das Babyphone? Alles schon erlebt…

6. Die Räumliche Ausstattung der KiTa

Eine KiTa MUSS einen Spielplatz haben. Idealerweise direkt zur KiTa gehörend, ausnahmsweise ganz in der Nähe. Leider ist das Vorhandensein eines Spielplatzes nicht zwingend erforderlich für die Erteilung einer Betriebserlaubnis. Aber es ist so wichtig, nicht nur in der Stadt, sondern auch auf dem Dorf. Der schönste kitaeigene Spielplatz nützt allerdings nichts, wenn die Erzieherinnen wind- und wasserscheu sind. Also fragt danach, wie das Rausgehen geregelt ist. Ich liebe ja den Berliner Kinderladen, in dem die Kinder einfach im Innenhof spielen durften, wenn sie dazu Lust hatten.

Fragt auch nach Ausflügen, oft gibt es einen bestimmten Ausflugstag pro Woche.

Was die räumliche Ausstattung in der KiTa selbst angeht, kann ich nur sagen: Hört auf euer Gefühl. Sind die Räume, inklusive der Waschräume, hell und freundlich? Sind die Räume für euer Empfinden groß genug? Gibt es Ecken oder Räume für Kreativität? Für Rollenspiele und zum Verkleiden? Zum Toben? Eine Bücherecke? Eine Bauecke? Eine Kuschelecke? Stehen die Räume bzw die Themenecken den Kindern jederzeit zur Verfügung? Fühlt ihr euch wohl? Habt ihr das Gefühl, euer Kind fühlt sich wohl?

7. Das spezielle Konzept der KiTa

Es gibt Montessori-Kindergärten, Waldkindergärten, konfessionelle Kindergärten, spielzeugfreie Kindergärten, Waldorf-Kindergärten, Reggio-Kindergärten, Bewegungskindergärten, bilinguale Kindergärten, Betriebskindergärten, Kindergärten mit und ohne Integrationsplätzen…die Liste ist endlos. Informiert euch darüber, wie in dem Kindergarten gearbeitet wird, nach welchem Konzept, nach welchem Bild vom Kind, mit welchen Zielen und was das im Alltag bedeutet.

8. KiTa-Gebühren und kostenpflichtige Extras

Wieviel ihr für einen KiTa-Platz pro Monat zahlt, ist abhängig vom Bundesland, vom Alter des Kindes und den Betreuungsstunden. In Hamburg ist für Kinder ab einem Jahr eine Betreuung von 5 Stunden täglich inklusive Mittagessen kostenfrei. Anderswo kostet das 600 €, wieder anderswo 300 €.

Eine Sache, die mich richtig aufregt, sind kostenpflichtige Extras.
Ich meine nicht 5 Euro für den Zoobesuch, sondern das, was mir eine Mutter kürzlich erzählte. Sie zahlt nämlich pro Monat zusätzlich zu den KiTa-Gebühren noch:

10 € Frühstücksgeld obwohl ihr Sohn erst nach dem Frühstück in die KiTa geht
25 € Mittagsgeld
30 € Windelgeld für Windeln und Feuchttücher – und wenn sie ihn abholt, ist die Winderl immer übervoll…
50 € für den wöchentlichen Schwimmbadbesuch, wohlgemerkt nicht für einen Schwimmkurs
50 € für eine Stunde Englisch pro Woche (ist freiwillig, aber das machen ALLE, also muss ihr Kind das auch machen, weil es sonst nicht betreut werden kann)
10 € für Turnhallennutzung (da sind die Kinder ein Vormittag pro Woche)
25 € für die Musikpädagogin, die einmal pro Woche kommt
50 € einmal jährlich für Weihnachts-und Geburtstagsgeschenke für die Erzieherinnen

Hallo-ho? Tickt die KiTa noch ganz sauber?

Ich hoffe, diese Übersicht konnte euch ein paar Ideen und Denkanstöße für die KiTa-Besichtigung geben und ich freue mich über eure Erfahrungen, Kommentare und Fragen dazu.

 

 

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