Das Kleinkind im Porzellanladen

„Mamaaaa! Tella putt!“

Nein, hier ging nichts zu Bruch, das ist nur Kringels täglicher Hinweis beim Frühstück, denn fast jeder unserer Frühstücksteller hat irgendwo einen kleinen Riss oder eine andere Macke. Ungefährlich, aber nicht mehr schön. 

Samstag war es dann endlich soweit, Kringel und ich fuhren mit dem Fahrrad zu IKEA. Ganz früh morgens schon, denn zusätzlich zu der Tatsache, dass es bei IKEA samstags voll wird, fand an diesem Samstag auch noch das Midsommar Fest bei IKEA statt. Also, früh hin und wieder weg sein, bevor der große Ansturm kommt, das war der Plan.

Nachdem wir unsere Fahrradhelme und die Regenkleidung ins Schließfach gesperrt hatten, betraten wir den Laden. Gleich hinter der Eingangsschranke standen Menschen für irgendwas Schlange. „Warten!“, beschloss Kringel und stellte sich hinten an. Ich wollte eigentlich direkt los, aber gut, wenn das Kind sich freiwillig anstellt…wofür denn eigentlich? Ah, große, orangefarbene Taschen. Ja, kann man immer gebrauchen. Wir warteten kurz, bekamen unsere Tasche und dann zogen wir los.

„Tellaaaaaa!“ rufend inspizierte Kringel jedes Ausstellungszimmer und schnappte sich Teller und Gläser von den Tischen. Ein Wunder, dass nichts zu Bruch ging. Angekommen in der Abteilung mit Gläsern und Tellern fühlte Kringel sich wie im Paradies, denn hier waren ja endlich all die „Tellaaaaaa“ die wir suchten. JEDER Teller und JEDES Glas wurden aus dem Regal genommen und um einen Autonomiephasen-Wutanfall zu vermeiden, erklärte ich bei jedem der 100.000 Teller und Gläser ganz ruhig, dass wir einen anderen Teller und ein anderes Glas suchten. Wer sich an dieser Stelle fragt, warum das Kind nicht sicher im Einkaufswagen sitzt – DAS habe ich mich spätestens hier auch gefragt. 😉

„Da vorn sind die Teller, die wir suchen“, sagte ich und ging vor. „Mamaaaa, Tellaaaaaa!“, rufend kam Kringel stolz hinter mir her – rennend mit zwei Untertassen in der Hand.

Sagen wir mal so: Das Kind hatte Spaß und IKEA ist kein Schaden entstanden.

Nach diesem aufregenden Einkaufserlebnis stärkten wir uns im Restaurant mit Elchnudeln und ließen danach noch ein Foto machen, bei dem wir vor einer wunderschönen Schwedenkulisse stehen: Ich mit geschlossenen Augen, Kringel mit genervtem Blick. Blöd gucken können wir gut, haha.

Mit neuen Tellern und neuen Gläsern sowie einen am Bett ohne Bohren anzubringendem Rausfallschutz wollten wir uns wieder auf den Weg nach Hause machen.

Beim Anziehen der Regenjacken entdeckten wir, dass vor IKEA ein Infostand der Hochbahn mit einem Bus stand. Kringel liebt Busse und das Busfahren, also mussten wir uns den Bus natürlich genauer ansehen. 

Während Kringel glücklich immer wieder in den Bus hinein und hinaus lief, kam der Busfahrer und fragte, ob Kringel mal auf dem Fahrersitz sitzen möchte. Wenig später konnte man das glücklichste Kind Hamburgs auf dem Fahrersitz eines echten Busses sehen und dabei beobachten, wie es auf Knopfdruck Fenster und Türen öffnete und schloss. Eine halbe Ewigkeit durfte Kringel dank des netten Bhsfahrers dort spielen und erzählt noch immer überglücklich und stolz davon.

Der Preis für den coolsten Samstag geht also definitiv an mich – und an den Busfahrer.

Wie war euer Wochenende?

Du magst vielleicht auch

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.